14.07.2010

„Habe immer und auf jeden Fall den Mut (um Geld) zu fragen!“

Kerstin Plehwe, Ausgabe 4/2010

Kerstin Plehwe arbeitet als Publizistin und Beraterin für Politik, Wirtschaft und Non-Governmental-Organizations. Von der Welt am Sonntag als Deutschlands führende Dialogexpertin benannt, gilt die Vorsitzende der Initiative ProDialog und Geschäftsführerin des Internationalen Instituts für Politik & Gesellschaft als engagierte Protagonistin moderner Kommunikationswege und eines neuen Leadership-Verständnisses in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Die Rednerin, Autorin und Herausgeberin zahlreicher Bücher ist ein gefragter Gast in Rundfunk und Fernsehen. Kerstin Plehwe ist ehemalige Präsidentin des Deutschen Direktmarketingverbandes und engagiert sich in zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen. Nach Lebensstationen in Südafrika, Japan und den USA ist sie heute in Hamburg und Berlin zu Hause.

www.kerstinplehwe.de


Was ist Ihr persönliches Lebensmotto?
Ich habe mehrere, zum Beispiel: Das Leben und die Liebe sind Geschenke die man achten sollte. Auf meinem Schreibtisch steht John F. Kennedy „Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst.“

Was wollten Sie als Kind werden?
Ranger im Krüger Nationalpark in Südafrika. Würde ich heute noch manchmal gerne sein.

Was würden Sie für das Unwort des Jahres vorschlagen?
Den Gutmenschen.

Welches politische Projekt würden Sie beschleunigt wissen wollen?
Jedes, was wieder mehr Vertrauen und Nähe zwischen Politik und Bürger fördert. Zudem jedes, was Menschen erfolgreich verdeutlicht, wie wichtig ihr Engagement, ihre Spende ist. Sei es bei NGOs, Parteien oder auch einfach nur beim Nachbarn oder im Kindergarten um die Ecke.

Wem würden Sie mit welcher Begründung einen Orden verleihen?
Da gibt es einige, vor allem jenseits medialer Spotlights. Aktuell: Dr. Shirin Ebadi, für ihr unerschrockenes Engagement für Demokratie und Menschenrechte im Iran. Ist gerade auch geschehen: Sie erhielt den Internationalen Demokratiepreis Bonn.

Wo hätten Sie gern Ihren Zweitwohnsitz?
Überall dort, wo ich ohne BlackBerry-Empfang täglich bei mindestens 20 Grad zwischen Wasser und Bergen entscheiden kann.

Mit wem würden Sie gern einen Monat lang tauschen?
Bis vor kurzem hätte ich gesagt mit unserem Bundespräsidenten.

Wie lautet Ihr Fundraising-Motto?
Frei nach Barack Obama: Habe immer und auf jeden Fall den Mut (um Geld) zu fragen!

Ihre Helden in der Geschichte?
Spontan Abraham Lincoln, Martin Luther King, Marie Curie. Aber die vielen unbenannten und oft unbekannten Helden sind ebenso wichtig, zum Beispiel die des Widerstandes gegen Faschismus, aber auch verantwortungsbewusste Unternehmer wie Reinhard Mohn, Jakob Fugger oder Margarete Steiff .

Ihre Helden in der Gegenwart?
Ich bleibe ein Hillary-Fan. Aber im Ernst: Mein Held ist jeder, der persönlichen Freiraum für Engagement schafft, diesen Raum nutzt und nicht nur redet, sondern handelt.

Was würden Sie gern auch gegen den Willen einer Mehrheit durchsetzen?
Ein praktikables, transparentes, modernes Bundesdatenschutzgesetz.

Welche Reform bewundern Sie am meisten?
Die Einführung der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland.

Worüber können Sie lachen?
Über vieles, auch mich selbst. Ich hoff e das bleibt so, trotz meiner Arbeit mit Menschen, die zwar wichtig sind, aber sich selber noch deutlich wichtiger nehmen.

Wann hört auch bei Ihnen der Spaß auf?
Schon bei schlechter Radio- und Fernsehwerbung … meine (Gedulds-)Spanne ist leider gering.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Ungeduld, damit kenne ich mich am besten aus.

Was sollte einmal über Sie im Lexikon stehen?
Ich muss in keinem Lexikon stehen. Mich treibt der Wunsch, Dinge zum Besseren zu verändern. Deswegen reicht es mir auch völlig, wenn Projekte, die ich unterstütze, eines Tages im Lexikon stehen.

Die komplette Ausgabe finden Sie in unserem Archiv.

Zurück