19.05.2010
Nachwuchs-Lobbyist Fabian F. Fröhlich gedenkt der Minderheiten
Was feiern wir heute? Geburtstag hat keiner, aber vielleicht Namenstag? Viel
zu altmodisch, höre ich Sie da sagen. Und Sie haben ja so recht. Die Namen, die
unsere Kinder glücklich machen sollen – für die gibt es noch keine offiziellen Namenstage.
Jerome, Estelle-Laurie und der immer noch so populäre Kevin stehen
nicht im Kalender.
Feiern wir eben was anderes. Welttag des Tanzes zum Beispiel. Das passt ja gut.
Oder Weltlachtag. Wie wäre es mit einer Dinnerparty am Weltantidiättag – ja, ja,
den gibt’s wirklich! Die britische Autorin Mary Evans Young hat den gemeinsamen
Kampf gegen Hungerkuren und Diätprogramme öffentlich gemacht. Das ist eine
löbliche Absicht und ich möchte ihr auch nichts anderes, gar eigennütziges, unterstellen!
In einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist. An diesem
Tag wird nämlich ebenfalls der Welttag der geistlichen Berufe gefeiert. Falls man
sich schon vom ganzen Gedenken an den Tagen zuvor erholt hat: Internationaler
Hebammentag, Tag der Sonne, Welttag für Sicherheit und Gesundheit am
Arbeitsplatz, Tag gegen unerlaubten Suchtstoff verkehr …
Wenn ich mir das so ansehe, lohnt es, die ganzen Feste im Kalender ordentlich
durchzuplanen, sonst kann es sein, dass man einen wichtigen Gedenktag glatt verpasst.
Das wäre jetzt im Mai besonders bedauerlich am Weltzugvogeltag, am Tag
der kyrillischen Schrift und am Weltnichtrauchertag – über den Weltfernmeldetag
und Welttag der Informationsgesellschaft wird uns ein netter Call-Agent bestimmt
rechtzeitig unterrichten.
Die ganz großen Partys, die später im Jahr stattfinden, sollte man trotzdem
schon im Auge behalten: Da hätten wir den Welttag des Strickens und den Tag des
Windes. Zum Tag der Fische im August muss ich einen Tisch im Nordseerestaurant
vorbestellen. Den Welttollwuttag und den Welttag der geistigen Gesundheit
im Herbst darf ich keinesfalls versäumen – nicht dass ich davon betroffen wäre,
aber ich weiß schon, wem ich dazu gratulieren muss. Meinem Mitbewohner
auch noch zum Welttag des Fernsehens am 21. November, der kurz nach dem
Welttoilettentag stattfindet. Dabei haben wir im Bad gar kein TV.
Am letzten Samstag im November zelebrieren wir unbedingt den Welt-
Kaufnixtag – aber nur, wenn er nicht auf das erste Adventswochenende fällt,
denn dann ist ja gleich verkaufsoffener Sonntag und das bringt dann nichts.
So ein Tag muss schon die Konjunktur ankurbeln. Alle wissen schließlich, dass
Valentinstag und Muttertag eigentlich Weltfloristiktag heißen müssten. Und
wenn schon nichts verkauft wird, dann soll das ganze wenigstens Lobbyarbeit
für die gute Sache sein!
Ich bin nun auch auf den Geschmack gekommen und werde meinen Lieblingstag
ausrufen, falls es noch ein Datum gibt, an dem nicht schon der Honigbiene, der
Windel, des Weißbrotes, der Katzenhaarallergie, der falschen Blondine oder der
genmanipulierten Kartoffel gedacht wird. Ich lade Sie ein: Feiern Sie mit mir den
Weltwichtigtuertag!



















