01.12.2008

Nachwuchs-Kidnapper Fabian F. Fröhlich macht in Bürgerarbeit

Früher galt die Parole „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen“. Wohin das geführt hat, wissen wir ja. Doch sind die ehemaligen Ostblock-Länder schon immer recht gut gewesen im improvisieren. Und jetzt – offenbar gezwungen durch die temporeiche EU-Erweiterung – stürmen einige sogar an die Spitze. Wie habe ich doch gestaunt, als ich gestern in meiner Tageszeitung ein neues Fundraising-Instrument entdeckte, erfunden und erprobt in Bulgarien. Die Nachrichten meldeten folgendes:

Mysteriöser Entführungsfall beschäftigt Bulgarien_+ + + Gegen eine Spende für eine Krebsstiftung ist die Frau des Präsidenten eines bulgarischen Fußballvereins freigekommen + + + Sofia + + + Wie bulgarische Medien gestern berichteten, habe Angel Bontschew, Chefs des Fußballvereins Litex Lowetsch, am Vorabend umgerechnet 157000 Euro öffentlich an eine Stiftung zum Kampf gegen Brustkrebs gespendet. Zur Begründung, warum er diese Summe spenden wolle, gab Bontschew an, er habe „seit 19 Tagen nichts mehr von meiner Frau Kamelija gehört“. Ehefrau Kamelija war vor etwa drei Wochen bei der Lösegeld-Übergabe für die Freilassung ihres Mannes selbst entführt worden. Ihr Mann war knapp zwei Monate in der Gewalt der Kidnapper. Die Präsidentin der Stiftung stritt jegliche Verbindung zu den Entführern ab. Dennoch werde die Stiftung das Geld behalten.

Naaa? Da tun sich doch Möglichkeiten auf! Okay, zu Straftaten will ich nicht anstiften, aber man könnte das Prozedere umdrehen und dann ganz legal fürs Fundraising nutzen: Gegen eine angemessenen Spende für einen guten Zweck nach Wunsch würde die verhasste Ehefrau – besser noch der Vorstand, der Gewerkschaftsboss oder der Parteivorsitzende – für einige Zeit in den Urlaub an einen fernen, geheimen Ort ohne Handyempfang und Internet geschickt. Macht sich ausgesprochen gut bei anstehenden Familienfesten, Tarifverhandlungen oder im Wahlkampf. Je nach Spendenhöhe lässt sich nun der Auslandsaufenthalt des Störenfrieds verlängern. Da haben dann alle etwas davon: Die „Geisel“ entspannt sich am Hotel-Pool, der Lösegeldzahler hat endlich freie Flug-Bahn und der Bürger ein paar Nervereien weniger. Mal ganz abgesehen vom karitativen Zweck. Das ist ja Bürgerarbeit in mehrfachem Sinne! Eine 4-gewinnt-Situation!

Ungeklärt sind allerdings noch die Fragen: Was ist der angemessene Spendendank? Wie kann man diese Spender binden? Und wer stellt die Zuwendungsbescheinigung aus?

Die komplette Ausgabe Winter/2008 finden Sie in unserem Archiv.

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